
Im Sommer gab es – wie seit vielen Jahren – auf radioneins (Link) wieder die wunderbaren Sommersonntage. Wer es nicht kennt: Einen Sonntag lang werden die von 150 Experten zusammengestellten Top 100 zu einem bestimmten Thema gespielt. Neben Themen wie z.B. Essen (nicht die Stadt) oder Skandinavien (es gewann überraschend nicht ABBA) gab es auch einen Themensonntag zum Thema Brit Pop. Mal abgesehen davon, dass es der erwartetet OASIS- und BLUR-Overkill wurde (Supergrass nicht zu vergessen, was mich aber sehr gefreut hat), war das Thema Brit-Pop doch sehr breit interpretiert worden. Die Stone Roses als Brit-Pop? Primal Scream, The Fall? Am anderen Ende der Ära dann Coldplay, Snow Patrol oder gar Franz Ferdinand? Nunja. Hätte man mich vorher gefragt, ich hätte die Ära des Brit-Pop zwischen 1995 und max. 1998 verortet. Nach der radioeins-Definition fallen nun allerdings auch ein paar Songs meiner Liste in die Brit-Pop-Ära, die ich eben deutlich enger gefasst hätte. Die ich aber schon vorher in meine Liste gepackt hatte (und die ich natürlich nur wegen einer schrägen Definition von BritPop nicht mehr entfernen werde). Aufhänger meiner Idee war nämlich, dass der Begriff BritPop ja impliziert, dass das etwas komplett NEUES gewesen sein muss: Pop aus UK. Und die Liste soll eben aufzeigen, dass es auch in den Jahren unmittelbar zuvor wunderbare Popmusik aus UK gab, die sich nicht unter einem von Marketingstrategen („Battle of Britain“ „Oasis vs. Blur“…) erdachten Sammelbegriff subsumieren ließ. Es war einfach gute, leichte, fluffige Musik, die nicht in Vergessenheit geraten sollte (und 2 oder 3 meiner Pop-Perlen sind dann tatsächlich auch auf der radioeins-Liste gelandet).
Billy Bragg – New England: Die SPD unter den britischen Songwritern – beständig und immer auf der Seite der Arbeiter. Na gut, also ich meine natürlich die SPD, wie wir sie kennengelernt haben.
Aztec Camera – Good Morning Britain: Während deutsche Radiosender ihre Hörer mit Jürgen von der Lippe und seinem „Guten Morgen liebe Sorgen“ wecken wollten, lief in UK Aztec Camera. Sowas kommt von sowas.
Elvis Costello – Veronica: Ich gestehe, dass ich nie eine Platte von Elvis Costello gekauft habe und trotzdem zählt er zu meinen Lieblings-Songwritern, deren Stimme mir immer und dauerhaft ein Lächeln aufs Gesicht zaubern.
The The: The return of the Mundharmonika, wer einmal den Refrain mitgesungen hat, wird ihn nie mehr los, für Euch getestet – ich habe die Band ja zunächst immer für Australier gehalten, stimmt gar nicht. London it is.
The Lightning Sees: Bevor die Köpfe der Band 1996 anlässlich der Fußball-EM in England (wer hat’s gewonnen?) einen der größten Fußball-Hits überhaupt veröffentlicht haben, haben sie zig Perlen veröffentlicht, die viel zu wenig Beachtung im allgemeinen Pop-Kanon finden.
Deacon Blue – Real Gone Kid: Kam mir Ende der 80er (?) zum ersten Mal auf einer Compilation anlässlich der Brit Awards (?) zu Ohren, die ich für 2 Mark auf dem Wühltisch bei Karstadt gefunden hatte und eigentlich wegen Roachfords „Cuddly Toy“ gekauft hatte. Allein die Stimme von Sänger Ricky Ross war den damaligen Kauf wert.
Prefab Sprout – Cars & Girls: Es ist eine verdammte Schande, dass ein so begnadeter Songwriter und Sänger wie Paddy McAloon sein Gehör (und Augenlicht) verliert und somit wunderbare Songs wie dieser aus seiner Feder immer unwahrscheinlicher werden.
Tears for Fears – Sowing the Seeds: Als Anfang der 90er dieses Video bei MTV heiß lief, konnte man sich an den Effekten und Ideen nicht satt sehen. Der Song wurde durch die visuelle Wucht ein bisschen in den Hintergrund gedrängt, aber im Oeuvre der Beatles (an denen sich der Song ja anlehnt) wäre dieser Song sicherlich unter den Top10 gelandet.
Pet Shop Boys – Love comes quickly: Beim Thema Britpop wird gerne mal der Einfluss der Pet Shop Boys unterschlagen, die seit Mitte der 80er-Jahre, wie keine andere Band den Pop aus UK beeinflusst hat. Ok, ich sag das, weil die PSBs – also zumindest alles was bis Anfang der 90er veröffentlicht wurde – mein guilty pleasure ist.
Electronic – Getting away with it: Nochmal ein bißchen Pet Shop Boys, den Neill Tennant warTeil dieser „elektronischen“ Supergroup. Neben Bernard Sumner von New Order. Und Johnny Marr von The Smiths. Und temporär auch Karl Bardots von Kraftwerk. Soviel Superstardom musste natürlich in die Hose gehen (die zeitgleichen „Travelling Wilburys“ waren weitaus erfolgreicher), aber hier wurden trotzdem zuckersüß die 90er eingeläutet.
The Sundays – Here’s where the story ends: Wenn nicht gerade Faith No More mit Easy für den Rausschmiss sorgten, war das der Song mit dem in den 90ern die Clubs am frühen Samstag- oder Sonntagmorgen ausgefegt wurden.
