
Wem gehört die Welt? Im Jahr des Abiturs ist die Frage ziemlich schnell beantwortet, zumindest für die Absolventen. Die Feierlichkeiten beginnen schon irgendwann im Herbst zuvor, in dem Gefühl den Abschluss schon irgendwie halb in der Tasche zu haben, die Vorbereitungen für die letzten großen Prüfungen laufen und danach wartet die große Freiheit. Dachte man. Damals. 1991 / 1992 war Kohl-Deutschland gerade frisch wiedervereinigt, zumindest auf dem Papier. Rechte Ausschreitungen bestimmten die Berichterstattungen aus dem Osten, im Irak fand der erste TV-Krieg unserer Generation statt und nur 2 Flugstunden entfernt brachen alte ethnische Gräben auf, die jahrelang unter dem Projekt „Jugoslawien“ zugeschüttet waren und deren Erschütterungen bis in unseren Stadtteil und unsere Schule zu spüren waren. Also eher eine düstere, denn eine gelöste Grundstimmung, vielleicht auch der Grund, warum die ganzen Eurodance-Hits dieser Zeit (Dr. Alban, Culture Beat, Snap) für uns keine große Rolle gespielt haben. Hier also die Auswahl an Songs, die den Abiturjahrgang 1992 begleitet haben – zumindest an meiner Schule und in meiner Erinnerung.
Nirvana – Come as you are: Das BESSERE „Smells like teen spirit“.
Rage against the Machine – Killing in the name of: „Fuck you I won’t do what you tell me“ – kann es eine bessere Zeile für die Abi-Zeit und den bevorstehenden Aufbruch geben?
Heroes del Silencio – Entre dos tierras: NIEMAND konnte Spanisch, ALLE konnten mitsingen.
ACDC – Thunderstruck: Geil, bevor es dann im Schützenzelt und auf dem Oktoberfest landete.
The Cure: Friday I’m in love: Das bestimmende Gefühl für die Zeit NACH dem Abi, vor allem wenn man eine Ausbildung angefangen hatte. Freitag war DER zentrale Tag, den man schon am Sonntagabend herbeisehnte.
Red Hot Chili Peppers – Under the Bridge: Streber erkannte man daran, dass sie den Song zunächst für einen Klammer-Blues nutzen wollten.
Stereo MCs – Connected: Der coole Gegenentwurf zum Euro-Trash dieser Tage. Sowas wie Indie-Dance, fanden die „Alten“ schließlich ja auch gut.
US3 – Cantaloop: Jazz for Beginners
Del the funky Homosapien – Mistadobelina: Eastcoast/Westcoast fing da schon an zu nerven, da kommt dieser kleiner Streber und bläst alle weg. Bißchen Jazz, bißchen De La Soul-Humor. Und ganz viel MTV.
House of Pain – Jump Around: Die Sporteinheit auf der Tanzfläche, der schweißtreibende Höhepunkt auf jeder Party. Danach erstmal ein kaltes Bier. Immer.
