
Kürzlich lief auf unser aller Lieblingssender radioeins den ganzen Tag ein Countdown mit den 100 Lieblingsliedern des Jahres 2022 der abstimmenden Hörerschaft. Meine persönlichen Favoriten hatte ich bereits kurz vor Weihnachten zusammengestellt, so dass ich beim Mithören sehr überrascht war, wie wenig die Top 100 mit meiner Liste übereinstimmen – um dann festzustellen, dass ein großer Teil meiner 2022-Favoritensongs bereits im Jahr 2021 und sogar 2020 erschienen ist und somit in dieser Liste eigentlich gar nichts zu suchen hat. Es bestätigt sich mal wieder: Ich bin alles in allem „late to the party“ 🙂
2022 war aus verschiedenen Gründen ein sehr komisches Jahr: Krieg, Klima, K(C)orona waren die Dominanten und so verwundert es dann doch nicht, dass meine prägendsten Songs des vergangenen Jahres eher düster anmuten. Und irgendwie dabei ganz oft nach den frühen 80ern klingen, in denen ja schon einmal die Apokalypse in leicht abgewandelter Form vor der Tür stand: Atomwaffen, Baumsterben und HIV.
The Idles – When the Lights Come on: Der Songs hat alles in sich, was mich musikalisch geprägt hat. Joy Division, The Cure, ein bißchen Nirvana und natürlich The Fall schauen jeweils kurz vorbei und schicken einen für 3 Minuten in einen düsteren Club in einer alten Industrieruine.
Buvette – Now or Never: Synthieteppiche und stoischer, hypnotischer Gesang – könnte ebenfalls das Rezept für einen perfekten 80er-Songs sein. Dazu der Einstieg „Cinderella, hurry up“, mittlerweile in meinen aktiven Wortschatz übernommen.
Nation of Language – On Division St: Human League, Erasure, ABC, Yazoo und die frühen Depeche Mode hätten diesen Song sicherlich gern auf einem ihrer Alben gehabt.
Black Cab – Rostler´s Rules: Auch wenn ich mich wiederholen sollte: 80er-Klänge haben es mir im letzten Jahr angetan, dazu gesellt sich bei Black Cab noch eine Wucht an Stimme.
Dina Summer – Who am I: Hallo Anne Clark, wie würde es sich wohl anhören, wenn Du 2022 einen Song gemacht hättest?
Bonobo – Age of Phase: Es blubbert und klackert wie zu besten „Mouse on Mars“-Zeiten und raus kommt ein wunderschöner Sommersong mit einem hypnotischen Vocal-Loop.
Mogwai – Ritchie Sacramento: Die Band neigt ja gern mal zu überlangen Songs, die sich in wirren Gitarrenwänden verlieren (und nicht mehr zurückfinden), umso überraschender ist dieser harmonische Popsong.
The War On Drugs – I don´t live here anymore: Auch 80er, aber eher die US-Version – klingt wie der eine Song, den Don Henley und Bruce Springsteen nie zusammen aufgenommen haben.
Betterov – Dussmann: Hat was von Billy Bragg, hat aber vor allem einen düsteren Text über Depression, den man in dem musikalischen Gewand nicht erwartet.
FOTOS – Das Verlangen: Vor 5 Jahren haben Klez.e ein Album in Anlehnung an THE CURE geschrieben und dieser Song würde sich ganz hervorragend auf diesem Album machen, also auch wieder 80er, irgendwie.
Otto von Bismarck – Der Winter ist vorbei: Zum Abschluss ein positiver und lebensbejahender Song, denn es war ja nicht alles schlecht im Jahr 2022.
